In den letzten Monaten haben wir intensiv in einem Showcase Projekt im Rahmen des OC Public Digital Innovation Lab mit STACKIT, dem Cloudanbieter der Schwarz Gruppe, gearbeitet. Zeit für ein erstes Fazit aus Entwicklersicht: Was kann STACKIT heute schon gut, wo unterscheidet es sich von Hyperscalern wie AWS oder Azure – und für wen lohnt sich der Blick auf diese Cloudlösung aus der DACH-Region?
Was ist STACKIT – und warum überhaupt eine Alternative?
STACKIT ist die Cloud-Plattform der Schwarz Gruppe (u.a. Lidl, Kaufland) und positioniert sich ganz klar als europäische Alternative zu den großen US-Hyperscalern. Funktional bewegt sich STACKIT in einer ähnlichen Liga: Compute, Storage, Netzwerke, Kubernetes, APIs, IaC-Anbindung (z.?B. Terraform) – alles da, was man für moderne Cloud-Projekte braucht.
Der entscheidende Unterschied ist weniger technisch als strategisch und rechtlich motiviert: Datenschutz. Wer sensible oder besonders schützenswerte Daten verarbeitet – etwa im Behördenumfeld oder in regulierten Branchen – muss sich sehr bewusst mit dem Thema Datenzugriff durch Drittstaaten auseinandersetzen. Bei US-Anbietern bleibt, unabhängig von Verschlüsselung, immer ein Restrisiko durch amerikanisches Recht. STACKIT hingegen hostet in europäischen Rechenzentren (Deutschland und Österreich) und unterliegt europäischer Gesetzgebung. Für viele Projekte ist das ein echtes Argument.
Technisch: weniger Spezial-Showcases, aber ausreichend Substanz
Wenn man AWS oder Azure gewohnt ist, fällt eines sofort auf: STACKIT hat (noch) nicht diese riesige Breite an hochspezialisierten Managed Services – etwa für KI, Machine Learning oder fertige Analysepipelines. Wo Azure mit „One-Click“-Lösungen für Regression, Logs oder Data Science glänzt, ist STACKIT deutlich nüchterner unterwegs.
In der Praxis ist das aber oft weniger relevant, als man denkt. Viele dieser Showcase-Services sind nett für Demos oder Experimente, spielen im langlebigen Projektalltag aber eine untergeordnete Rolle. Für stabile, langlaufende Anwendungen ist der vorhandene Werkzeugkasten von STACKIT absolut ausreichend – und genau darauf scheint der Fokus auch zu liegen.
Kosten: kein Schnäppchen, aber realistisch
Preislich unterscheidet sich STACKIT weniger von den Hyperscalern, als man zunächst vermutet. Der Einstieg wirkt etwas teurer, dafür sind die Kosten sehr transparent. Man sieht klar, was Compute, Cluster, Netzwerk oder Zusatzdienste pro Tag kosten.
Das Prinzip ist überall gleich: Einzelne Bausteine sind günstig, aber sobald ein realistisches Setup läuft, summieren sich die Kosten. AWS und Azure funktionieren nicht anders – nur heißen die Pakete dort anders. Für produktive Umgebungen bewegen sich die Kosten am Ende auf vergleichbarem Niveau.
Stabilität, Performance und Support
In unserem bisherigen Einsatz gab es keine echten Showstopper. Die Plattform lief stabil, die Performance der (bewusst klein dimensionierten) Maschinen war völlig ausreichend, Netzwerke und Zugriffe funktionierten erwartungsgemäß.
Die wenigen Probleme, die auftraten, waren eher klassische „Kinderkrankheiten“: wenig aussagekräftige Fehlermeldungen oder Situationen, in denen man erst lernen muss, wie ein bestimmter Mechanismus gedacht ist. Positiv: Der Support war erreichbar, hilfsbereit und kompetent – und das ist gerade bei jüngeren Plattformen ein großer Pluspunkt.
Usability und Entwicklungstempo
Die größte Herausforderung ist aktuell weniger die Technik als die Übersichtlichkeit. Wie bei AWS oder Azure wächst das Produktportfolio schnell, und alle Services landen in einer langen, unübersichtlichen Menüstruktur. Man muss sich aktiv merken, welche Services man wirklich nutzt.
Gleichzeitig ist beeindruckend, wie schnell sich STACKIT weiterentwickelt. Neue Features sind klar gekennzeichnet, ganze Produktbereiche (z.B. Workflows, Notebooks, Firewall, KI-Themen) kommen hinzu. Das Produkt wirkt klar auf Wachstum ausgelegt und hat im letzten halben Jahr massiv an Features hinzugewonnen.
Lernen und Einstieg: noch wenig Community, aber solide Basis
Der Einstieg ist etwas holpriger als bei AWS – schlicht, weil es weniger Blogposts, StackOverflow-Antworten und YouTube-Videos gibt. Dafür bietet STACKIT eine eigene Academy mit Kursen und Zertifizierungen sowie eine ordentliche Dokumentation.
Interessant: Selbst KI-Tools kommen mit der STACKIT-API schon erstaunlich gut zurecht. Für einen Anbieter dieser Größe ist das ein gutes Zeichen.
Fazit: Würden wir STACKIT empfehlen?
Ja – definitiv. STACKIT ist keine preisgünstigere Kopie von AWS und auch kein Feature-Monster. Aber es ist eine professionelle, stabile Cloud-Plattform, die besonders dort überzeugt, wo Datenschutz, europäische Hosting-Standards und Langfristigkeit wichtig sind.
Für hochkritische Produktivsysteme, Behörden, regulierte Branchen oder Unternehmen mit klarer EU-Strategie ist STACKIT heute schon eine sehr ernstzunehmende Option. Und der aktuelle Entwicklungsspeed lässt vermuten: Das ist erst der Anfang und die nächsten neuen Features sind bereits in der Pipeline.
